Candelaber auf dem Johannisberg

Warum baute man den Kandelaber?

Candelaber AltenbergenAls am 22. August 1808 der Altenberger Holzfäller Nicolaus Brückner starb, hinterließ er der Kirchgemeinde Altenbergen 20 Gulden, einen beträchtlichen Teil seines spärlichen Vermögens.
Er knüpfte an den Nachlass die Bedingung, dass von den fünf- bis sechsjährigen Zinsen ein Gedenkstein zur Erinnerung an die verfallene Johanniskirche an ihren einstigen Standort gesetzt werden sollte.
Nicolaus Brückner kannte die Johanniskirche noch. Als er ein Kind war, stand sie zwar noch auf dem Alte- oder Johannisberg über Altenbergen, doch sie war den Verfall preisgegeben. Durch den Bau der Immanuelkirche 1712 hatte die alte Kirche ihre Bedeutung verloren und wurde nicht mehr genutzt. Als die Gemeinde Altenbergen sie schließlich 1770 vollständig abtragen ließ, überwucherten bald Hecken und Gestrüpp ihre Grundmauern - ihre letzten noch verbliebenen Reste.
Einst war die Johanniskirche eine sehr bedeutsame Kirche. Der Über- überliefertes Bild der Johanneskirche lieferung nach galt sie als erste Taufkirche Thüringens, um 724 vom Missionar der Deutschen, Winfrid Bonifatius, gegründet. Graf Ludwig mit dem Barte, der sich in den 30er Jahren des 11. Jh. beim Alteberg niederließ, erweiterte diese Kirche und ließ seinen erstgeborenen Sohn (der spätere Ludwig der Springer) darin taufen. Sämtliche Ansiedlungen der Umgebung gehörten lange Zeit der Johanniskirche an, und auch die Toten wurden dort auf dem Kirchhof beigesetzt.
Doch die wachsende Bevölkerungszahl und der weite unwegsame Gang zur Kirche führten in den Dörfern allmählich zum Bau eigener Kirchen.
 

Chronologische Daten zur Johanniskirche:

  • Um 724: Soll sie nach dem Chronisten Johannes Rothe (15. Jh.) als erste Taufkapelle Thüringens von Winfrid Bonifatius gegründet worden sein.
  • Um 1042: Berichtet ebenfalls Johannes Rothe, dass Graf Ludwig mit dem Barte die Kapelle erweitern ließ, bevor Erzbischof Bardo von Mainz seinen Sohn Ludwig - den späteren Erbauer der Wartburg - darin taufte. (In der Wissenschaft gilt diese Zeit als die Erbauungszeit der Johanniskirche, da Rothes Schriften nur teilweise anerkannt sind.)
  • 1141: Dem ludowingischen Kirchsprengel der Johanniskirche werden am 1. September in der Ersterwähnungsurkunde von Altenbergen seine Grenzen bestätigt.
  • 1143: Am 20. März wird die Gründung eines Zisterzienserklosters durch Sizzo von Käfernburg auf dem St. Georgsberg beurkundet. Das Territorium des Klosters grenzt unmittelbar an den Pfarrbezirk der Johanniskirche an, der sich aus Klosterdörfern des ludowingischen Hausklosters Reinhardsbrunn zusammensetzt. Das führt zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Klöstern. In der Folgezeit verlegen die Mönche das Kloster ins Tal an die Apfelstädt. (Kloster Georgenthal)
  • 1447: Die Ernstrodaer setzen bis dahin ihre Toten auf dem Johannisberg bei, die Finsterberger bis 1662, die Engelsbacher bis 1669 und bis 1717 die Catterfelder und Altenberger.
  • 1636: In Sättelstädt lässt man eine große Glocke gießen.
  • 1650: Einbau einer Orgel
  • 1710-12: Bau der Immanuelkirche durch die Gemeinden Catterfeld, Altenbergen und Engelsbach
  • 1726: Ein Hagelschauer zerstört die Fenster, der Verfall beginnt.
  • 1752: Erste Grabungen im Innenraum der Kirche; das Abschießen des Turmknopfes bringt Münzen und unbedeutende Schriftstücke zum Vorschein.
  • 1757: Im Mai stürzt der Turm ein.
  • 1770: Abriss des baufälligen Gebäudes durch die Gemeine Altenbergen
     

Nicolaus Brückner hegte den Wunsch, dass die Geschichte der Johanniskirche nicht ebenso wie sie selbst untergeht.  
 

Wie kam es zum Kandelaber-Bau?

Die von Brückner hinterlassenen 20 Gulden waren nicht viel Geld, Candelaberdoch für die mittellose Bevölkerungsschicht, der Brückner angehörte, waren sie ein Vermögen. Dem Waltershäuser Rat- und Amtmann Carl Friedrich Langheld, welcher dem Amt Reinhardsbrunn vorstand und wozu Altenbergen gehörte, beeindruckte es enorm, dass ein "armer und einfacher" Mann seine entbehrungsreich zusammengetragenen Ersparnisse einem so edlen Zweck zur Verfügung stellte. Er sah es als eine ehrenvolle Aufgabe an, Brückners Vermächtnis in die Tat umzusetzen.
Doch seiner Meinung nach sollte nicht bloß ein kleiner unscheinbarer Stein an eine derart geschichtsträchtige Stelle gesetzt werden, sondern ein "Monument von gewissem Prunk", so Langhelds eigene Worte. Dafür reichten die 20 Gulden nicht aus und schon gar nicht der Zins davon. Also rief Langheld in mehrfachen Presseartikeln zu einer weit reichenden Spendenaktion auf.
Er setzte sich mit namhaften und einflussreichen Personen in Verbindung, die er für die Unterstützung seines Denkmalprojektes gewann. Der seit 1804 regierende Herzog August von Sachsen - Gotha - Altenburg, der ein Kunstförderer war, bestand darauf, dem Denkmal die Form eines überdimensionalen Kirchenleuchters zu geben. Er war es auch, der den von seinem Vater Ernst II. geförderten Bildhauer Professor Friedrich Wilhelm Döll mit der Gestaltung der Flammenschale beauftragte.
Langhelds Spendenaktion erbrachte 1051 Taler. Der Bau kostete 966 Taler. Die Projektierung lag in den Händen des herzoglichen Hofbaumeisters Pörsch und Hofmaurermeister Sahlender führte die Bauarbeiten vor Ort aus, während die Bildhauerarbeiten in der Werkstatt Dölls in Gotha erfolgten. Mit einem großen Festakt wurde das Denkmal am 1. September 1811 eingeweiht.
Blick vom Candelaber Altenbergen Seither pilgerten viele Leute zum Kandelaber. Seine beeindruckende Größe und Gestaltung regte stets das Interesse an der Geschichte, die sich hinter ihm verbirgt, an. Kontroverse Meinungen über die Ursprünge der Johanniskirche entstanden unter Historikern und Hobbyhistorikern und lösten somit intensivere Forschungen in dieser Richtung aus.
Wissenschaftliche Fortschritte seit dem 19. Jh. ließen manche Zweifel am geschichtlichen Werdegang aufkommen. Heute wissen wir: Es ist noch vieles ungeklärt und müsste noch erforscht werden! Somit ist es eher ruhig geworden um den Kandelaber und die Grundmauern der Johanniskirche, die 1967 vom Georgenthaler Lehrer Roland Scharff zusammen mit seiner AG "Junge Historiker" freigelegt wurden und die man auch heute noch, wenn man genau hinschaut, gut sehen kann.
 

Chronologische Daten zum Kandelaber:

  • 1811: Am 17. Juni erfolgt die Grundsteinlegung zum Kandelaberbau, die feierliche Einweihung erfolgt bereits am 1. September.
  • 1854: In Vorbereitung des großen Bonifatiusfestes der Gustav - Adolf - Stiftung werden Suchgrabungen vorgenommen. Sie ergeben, dass die Johanniskirche mindestens einmal erweitert wurde und der ursprüngliche Bau nur eine Größe von 5,60 m x 3,75 m umfasste.
  • 1855: Der Gustav - Adolf - Verein begeht am 5. Juni in einem großen Festgottesdienst den 1100. Todestag des Bonifatius (Damals galt 755 als anerkanntes Sterbejahr des Winfrid Bonifatius; heute > 754)
  • 1967: Erneute Grabungen bestätigen frühere Befunde und lassen auf zweimalige Erweiterung schließen. Wann die Erweiterungsbauten erfolgten, ist ungeklärt.

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